Franziskus und Klara

Zwei Heilige, die uns bis heute herausfordern und inspirieren
Vor 800 Jahren, in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1226, starb Franz von Assisi in der Portiunkula-Kapelle vor den Toren der Stadt. Im selben Jahr verfasste er ganz in der Nähe, in San Damiano, wo Klara mit ihrer neu gegründeten Frauengemeinschaft lebte, den Sonnengesang.
Dieses Jubiläum nehmen wir zum Anlass, uns in einer Reihe von Veranstaltungen von der Gottsuche, der entschiedenen Bereitschaft, die eigene Berufung zu leben, und von den Worten und Taten von Franziskus und Klara inspirieren und herausfordern zu lassen.
Herzliche Einladung!
 

Im Gespräch mit ...

Podcastreihe zu Franziskus und Klara
Anlässlich des 800. Todestages von Franziskus 2026 luden wir Menschen aus unterschiedlichen Bereichen ein,  über ihre persönliche Beziehung zu Franziskus und/oder Klara zu sprechen. Wir bedanken uns für spannende Einsichten, neue Anregungen und staunen, wie sehr diese Heiligen viele Jahrhunderte nach ihrem Leben inspirieren können und hoffen lassen.  
 
Jutta Zangl und Charlotte Bertram begegnen Menschen, die normalerweise in ihrem Alltag nicht vorkommen würden. Einmal pro Woche kochen sie eine warme Mahlzeit, belegen Brötchen und öffnen die Türe für Gäste, die aus unterschiedlichen Gründen bedürftig sind. Im Gespräch mit Ute Kleine erzählen Jutta und Charlotte über die Leichtigkeit, die das Engagement begleitet, wie wertvoll Begegnungen sind und ob Franziskus aus Assisi sie dabei inspiriert. 
  
Jutta, Charlotte und die Obdachlosenküche in St. Franziskus
 
Das Leben von Michael Helfer ist beeindruckend. Im Gespräch mit Karin Mutter erzählt der Ettlinger von seiner frühen Prägung durch die Kapuzinergemeinschaft in Dammerstock, Lebensentscheidungen, die nicht nur einmal anstanden und einer tiefen Verbundenheit mit dem franziskanischen Geist. 
  
Michael Helfer: Kapuziner - Medienprofi - zurück zu den Wurzeln
 
Peter Schanz ist einer von vielen, die sich ehrenamtlich in den vergangenen Jahren um den weitläufigen Klostergarten von St. Franziskus in Karlsruhe kümmerte. Über den Erhalt dieses Refugium während und nach dem Umbau, die Verbindung zur Natur und über einen nachhaltigen Besuch in Assisi sprach Peter Schanz mit Barbara Fank-Landkammer.
  
Peter Schanz, Franziskus und der Klostergarten
 
Prof. Dr. Armin Grunwald arbeitet am Karlsruher Institut für Technologie KIT, der Exzellenzuniversität in Karlsruhe. Dort leitet er das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, lehrt als Professor für Technikphilosophie und ist zudem Leiter des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). 
Im Gespräch mit Barbara Fank-Landkammer spricht er über die 1. und 2. Natur des Menschen, eine erstaunliche Resonanz in der Welt der Wissenschaftler*innen auf die Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus und eine aktuelle Einschätzung der KI. 
  
Prof. Dr. Armin Grunwald - der Wissenschaftler, Laudato si und Franziskus
 
Susanne Mütter-Feldbusch und Ludwig Oreans sind "Stadtklostergeschwister". Franz von Assisi inspiriert sie in ihrem Engagement, aber noch mehr für ihr persönliches Leben. Die ökologische Spiritualität entfaltet sich im konkreten Tun, in der Beziehung zur Natur, zu armen Menschen und zu Gott. Das Gespräch führte Karin Mutter. 
Wer Interesse am Thema hat, kann sich gerne unserem "AK Ökologische Spiritualität" des Stadtklosters anschließen. Ansprechperson ist Dr. Anton Stadlmeier. 
  
Achtsamkeit, Natur und persönliche Entscheidungen
 
Lara Pflaumbaum ist Pfarrerin in der Südstadt Karlsruhe, Projektleitung der Vesperkirche und des Café DIA. Im Gespräch mit Karin Mutter berichtet sie von besonderen Begegnungen mit vom Leben gezeichneten Menschen, ihr Staunen was eine Kirche als Ort auslösen kann und wie sie als evangelische Christin auf Franz von Assisi schaut. 
 
  
Pfarrerin Pflaumbaum, die Vesperkirche und Franziskus
 
Sr. Katharina Ganz OSF ist Franziskanerin, promovierte Theologin und Sozialpädagogin. 2012 - 2025 war sie Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen. 2026 wurde sie zur nächsten Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes gewählt, das Amt wird sie im Februar 2027 antreten. Seit vielen Jahren engagiert sich Sr. Katharina für die Rechte der Frauen in der katholischen Kirche. So thematisierte sie das Diakonat der Frau offen bei einer Papstaudienz 2019 bei Papst Franziskus. Im Gespräch mit Barbara Fank-Landkammer erzählt die Ordensfrau, welche besonderen Erfahrungen sie beim Pilgern macht und wodurch die Heilige Klara von Assisi ihr ans Herz gewachsen ist. 
  
Sr. Katharina Ganz - il poverello, Klara und das Pilgern
 
Winfried Kretschmannn, Ministerpräsident a.D. von Baden-Württemberg, hat sich 3x intensiver mit Franz von Assisi beschäftigt. Die Armut und die intensive Liebe zur Schöpfung sieht er als zentrales Vermächtnis, auch für die Kirche. Doch kann man damit Politik machen? Über diese Frage und woher seine Zuversicht für die Bewältigung des Klimawandels kommt und schließlich wie er auf seinen eigenen Tod schaut, darüber spricht Winfried Kretschmann mit Barbara Fank-Landkammer.
  
Winfried Kretschmann, Franziskus, die Politik und der Tod
 
Hans-Jörg Krieg ist katholischer Priester. Er hatte vor 10 Jahren den Impuls auf dem Gelände des ehemaligen Kapuzinerklosters St. Franziskus in Karlsruhe-Dammerstock gemeinsam mit anderen einen Ort der Spiritualität, Begleitung, Begegnung und Auseinandersetzung mit der kirchlichen und gesellschaftlichen Realität zu gründen. Daraus ist das Stadtkloster St. Franziskus geworden. Im Interview erzählt Hans-Jörg Krieg wie er den damaligen "Kairos-Moment" erlebte, was ihn am Stadtkloster begeistert und ob Franziskus und Klara seine Lieblingsheiligen wurden. 
Das Gespräch führte Barbara Fank-Landkammer.
  
Hans-Jörg Krieg, Franziskus und Klara
 
Br. Niklaus Kuster (1962) ist Schweizer Kapuziner und Dr. theol.. Er ist ein ausgewiesener Kenner des Heiligen Franz von Assisi und der franziskanischen Spiritualität. Br. Niklaus Kuster lebt im "Kloster zum Mitleben" in Rapperswil/Schweiz. ⁠
Das Gespräch führte Markus Tebbert von der Gruppe der ⁠Franziskanischen Gemeinschaft (OFS) in Karlsruhe⁠. 
  
Br. Niklaus Kuster und Franziskus
  

Veranstaltungen

Mi. 14.10.2026, 19:00 - 20:00
Franziskus und die Mission
GZ Christkönig oder Kirche
Karlsruhe-Rüppurr
Sa. 17.10.2026, 09:00 - 19:30
Gemeinsam und in Stille unterwegs im Schwarzwald
Mit franziskanischen Impulsen
Unser Weg führt über ca. 14 Kilometer von Bad Herrenalb (Talwiese) über die Höhe (Langsmartskopf) nach Gernsbach.
Treff Hauptbahnhof Karlsruhe
Karlsruhe
Mi. 21.10.2026, 19:00 - 20:00
Armut- Freiheit- Liebe
Die wöchentliche Stadtkloster-Gebetszeit wird heute mit Texten von Franziskus und Klara aus Assisi gestaltet.
Zeit zum Spüren, Nachdenken und Hören.
Mit Musik für Blockflöte und Cello
Dorothee Schack, Flöte und Dorothea Lehle, Cello
Bitte beachten Sie, dass wir nicht in Christkönig sind, sondern in der Evang. Friedenskirche in Karlsruhe-Weiherfeld.
Evang. Friedenskirche Weiherfeld
Karlsruhe
Sa. 24.10.2026, 09:30 - 16:30
Fühlen – Danken - Gestalten
Wir beschäftigen uns geistlich und kreativ mit dem "Sonnengesang"  des Hl. Franziskus.
Christkönig Gemeindezentrum
Karlsruhe
Mi. 28.10.2026, 19:00 - 20:00
Franziskus und ökologische Spiritualität
"Gelobt seist Du, Herr, durch unsere Schwester, die  Mutter Erde".
Heute wollen wir unserem Bezug zu Mutter Erde nachspüren und verbunden mit allem Geschaffenen Gott loben.
GZ Christkönig oder Kirche
Karlsruhe-Rüppurr
Mi. 25.11.2026, 19:00 - 20:00
Franziskus und der Tod
"Gelobt seist Du, Herr, für unseren Bruder, den leiblichen Tod".
Ein Satz aus dem Tagebuch der Etty Hillesum soll uns heute durch das Abendgebet begleiten: "Wenn man den Tod aus seinem Leben verdrängt, ist das Leben niemals vollständig, und indem man den Tod in sein Leben einbezieht, erweitert und bereichert man das Leben.“
GZ Christkönig oder Kirche
Karlsruhe-Rüppurr
  
Biografie in Kurzform
Giovanni (Johannes) Bernadone wurde um die Jahreswende 1181/82 im mittelitalienischen Assisi geboren. Sein Vater Pietro, ein reicher Tuchhändler, nannte ihn nach der Rückkehr von einer Reise nach Südfrankreich, der Heimat seiner Gattin Pica, Francesco (Französlein). Der Junge erlebte eine sorglose und fröhliche Kindheit und Jugend.
Als Sohn eines angesehenen Bürgers konnte er die Pfarrschule besuchen. Danach trat er ins väterliche Geschäft ein. Als 21-Jähriger beteiligte er sich hoch zu Ross an einem Krieg gegen die Nachbarstadt Perugia. Er wollte sich als Kriegsheld beweisen und auf diesem Weg in den Stadtadel Assisis aufsteigen. Daraus wurde nichts.
  
Francesco geriet in Kriegsgefangenschaft und wurde erst nach einjährigen Verhandlungen und Zahlung einer hohen Geldsumme schwer krank freigelassen. Kaum genesen, wollte er auf einem Feldzug durch Süditalien noch einmal sein Glück versuchen, kehrte aber nach einem Traumerlebnis um und begann nach dem eigentlichen Sinn des Lebens zu suchen, den er in der Einsamkeit der Wälder bei Assisi zu finden hoffte.
Eines Tages traf er einen Aussätzigen. Einer spontanen Eingebung folgend, gab er ihm nicht nur ein Almosen, sondern überwand seinen Ekel und umarmte den in Lumpen gehüllten Bettler, wobei ihn ein nie erlebtes Glücksgefühl durchströmte. Francesco hatte seine Berufung gefunden: Er wollte künftig Buße tun für seinen Hochmut und sein Leben den Armen und Kranken widmen.
Als Francesco jedoch begann, das väterliche Vermögen zu verschleudern, um Bettler zu speisen und das verfallene Kirchlein San Damiano wieder aufzubauen – angeblich auf Geheiß von Jesus Christus –, zog der entsetzte Vater vor Gericht, um seinen offenbar verrückt gewordenen Filius formell enterben zu lassen. Doch Francesco verzichtete freiwillig auf sein Erbe, entledigte sich vor den Augen des Bischofs von Assisi seines prächtigen Gewandes, warf es dem Vater mit den Worten »Weder Geld noch Kleider will ich von dir. Von nun an nenne ich nur einen Vater, den im Himmel!« vor die Füße und verließ die Stadt.
  
Nach monatelangem Einsiedlerleben in selbstgewählter Armut in der Umgebung von Assisi und der eigenhändigen Wiederherstellung der Kapelle Santa Maria degli Angeli, die er »Portiuncula« nannte, mit erbetteltem Baumaterial, begann Francesco im Jahre 1208 – gekleidet in eine grobe, mit einem Strick gegürtete Kutte – nach dem Vorbild Jesu als Wanderprediger durch die Lande zu ziehen und Gutes zu tun.
Anfangs erntete er nur Hohn und Spott, doch faszinierte sein tiefer Ernst, seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung, vor allem seine praktizierte Nächstenliebe immer mehr Menschen. Schon bald schlossen sich ihm junge Männer aller Gesellschaftsschichten an, die von ihm beeindruckt waren und ebenso leben wollten wie er. Bereits 1209 war die Schar auf ein Dutzend angewachsen und wurde von Francesco paarweise ausgesandt, um Kranke zu pflegen und den Menschen Mittelitaliens die Buße zu predigen, die Erneuerung des eigenen Lebens und die Erneuerung der Gesellschaft.
Um beim Volk und beim Klerus nicht als vagabundierende Sektierer zu gelten, verfasste Francesco für das Zusammenleben der Gemeinschaft eine nur aus einigen Worten des Neuen Testaments bestehende Regel: Nach der Botschaft Jesu »Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen« (Matthäusevangelium 9, 21) verlangte er von seinen Gefährten in erster Linie, allem Besitz zu entsagen und Gutes zu tun.
  
Er reiste nach Rom, um von Papst Innozenz III. (1198–1216) die formelle Anerkennung für den »Ordo Fratrum Minorum« (»Orden der Minderen Brüder«/OFM) zu erwirken. Innozenz ließ sich davon überzeugen, dass die »Fratres Minores« (»Minderbrüder«, »Minoriten«) tatsächlich das lebten, was sie verkündigten, und gab seinen Segen zur Gründung des ersten Bettelordens der katholischen Kirche.
Die offizielle Billigung der »Minoriten « (später »Franziskaner«) durch den Papst verbreitete sich schnell. Überall, wo Francesco auftauchte, ließ man die Glocken läuten, und die Gemeinschaft, die ihn in demokratischer Wahl zu ihrem Leiter ernannt hatte, erhielt beträchtlichen Zulauf. Niederlassungen wurden gegründet, zunächst in Italien, bald auch jenseits der Alpen. Stammkloster wurde Portiuncula bei Assisi, wo sich fortan einmal im Jahr alle Ordensbrüder zum »Capitulum «, zur feierlichen Hauptversammlung, trafen.
  
Auch viele Frauen fühlten sich zur radikalen Lebensweise im Sinne des Evangeliums hingezogen. Im Frühjahr 1212 nahm Francesco, längst durch seine Reden und Gesänge als »Troubadour Gottes« weithin bekannt und verehrt, eine Adelige aus Assisi namens Klara Offreduccios (1191–1253) in den Orden auf. Ihre Schwestern Agnes und Beatrix, ihre verwitwete Mutter Hortulana und andere Frauen folgten später. Die Schwestergemeinschaft ließ sich schließlich bei der Kirche San Damiano nieder und gründete den weiblichen Ordenszweig der »Armen Frauen von Assisi« (Klarissinnen; auch Franziskanerinnen).
Francesco selbst wirkte weiterhin als wandernder Prediger. Ende 1212 gelangte er nach Dalmatien (heute Kroatien), in den folgenden beiden Jahren bis nach Südfrankreich und Spanien und im Rahmen des 5. Kreuzzugs 1219 sogar bis nach Ägypten und ins Heilige Land. Sein Versuch, den ägyptischen Sultan El-Kamil, einen Neffen Saladins, zu bekehren, schlug allerdings fehl.
1220 nach Italien zurückgekehrt, gab er die Ordensleitung an einen Mitbruder ab und zog sich in die Einsamkeit eines kleinen Klosters bei Arezzo in den Albaner Bergen zurück. Dort gründete er für die Männer und Frauen, die in ihrer Familie und ihrem Beruf bleiben, aber nach den Grundsätzen des Evangeliums leben wollten, den weltlichen »Dritten Orden« (Terzianer).
  
Am 17. September 1224 wurde Francesco (gemäß der Überlieferung) auf seine Bitte, am Leiden Jesu Anteil haben zu dürfen, nach 40-tägigem Fasten auf dem Monte Alverno stigmatisiert und trug fortan die fünf Wundmale Christi. (Die Stigmatisation wurde später von Papst Gregor IX. (1227-41) bezeugt und war die erste der Kirchengeschichte.)
Das entbehrungsreiche Leben beeinträchtigte zunehmend Francescos Gesundheit. 1225 begab er sich zur Behandlung nach Siena, vor allem, weil ihm der völlige Verlust seines Augenlichts drohte. Doch die Mediziner konnten kaum etwas für ihn tun. Im September 1226 ließ er sich nach Assisi zurückbringen, wo er nach einem mit seinen Gefährten gefeierten Abendmahl am 3. Oktober 1226 starb und bestattet wurde.
Francescos Heiligsprechung erfolgte bereits am 15. Juli 1228 durch Papst Gregor IX. (Fest: 4. Oktober), ebenso die Grundsteinlegung zur Basilika »San Francesco« über seinem Grab in Assisi, die mit ihren Wand- und Deckengemälden von Cimabue und Giotto zur Pilgerstätte für Gläubige aus der ganzen Welt wurde. Die Schriften des Franz von Assisi gelten heute als erste dichterische Gestaltung der italienischen Sprache (u. a. »Sonnengesang«).